Palmas Paläste: Auf Mallorca „macht das Haus den Herrn“

Ja, ich hatte mich gut mit einem Berg Literatur eingedeckt, bevor ich meine Herbstreise nach Palma unternahm, um mal ein paar Tage auszuspannen und nach langer Abstinenz ein bisschen auf Kultur zu machen. Die Paläste der Inselhauptstadt Mallorca hatten es mir schlichtweg angetan, als ich in den Seiten mit den wunderschönen Fotos blätterte. Und da ich drauf und dran war, mir auf Mallorca ein Ferienhaus, eine Ferienwohnung oder eine Finca zu kaufen, hatte ich auch schon einige Immobilienmakler kontaktiert.
Die kleine Ferienwohnung, die ich in San Agustin, einem Vorort von Palma, gemietet hatte, war toll eingerichtet, der Blick auf das Meer einfach traumhaft, der Hausservice kompetent und zuverlässig, der Pool einmalig. Aber es hielt mich dort nicht lange. Um ein paar Pfunde purzeln zu lassen, machte ich mich zu Fuß in die Altstadt von Palma auf, da ich die erste Besichtigungstour gleich am Spätnachmittag in Angriff nehmen wollte, um für ein paar Fotos die Stimmung des Sonnenuntergangs einzufangen.
Die Geschichte dieser beeindruckenden Paläste beginnt, soweit ich in Erfahrung bringen konnte, mit dem Einzug der gotischen Architektur und damit um das 13. Jahrhundert. Doch rund 300 bis 400 Jahre später mit der Renaissance und dem Barock erreichte die lebendige und verspielte Architektur seinen Höhepunkt. Der Einfluss von Baumeistern aus Italien, wohl in der Hauptsache aus Rom, Genua und Florenz, macht sich durch die wuchtige Bauweise bemerkbar, doch als mallorquinische Handwerker weitere Paläste für den Adel Palmas und andere wichtige Persönlichkeiten bauten, wurde die Architektur eher milder und feiner. Das lag in der Natur der Sache: Der Santanyi-Stein von der Insel, der für viele Gebäude zu der Zeit Verwendung fand, ließ sich schlecht in die Form der Renaissance-Arkaden zwingen, so dass die Rundbögen schlichter gestaltet werden mussten.
Ein Blick die Fassaden hinauf ist ein wahrer Augenschmaus, das Allerschönste sind für mich aber die Patios, die eckigen Innenhöfe mit ihren Gittern aus Schmiedeeisen, den vielen Blumenkübeln, den sprudelnden Brunnen und den Statuen, die den kleinen Platz im Innern schmücken. Dass die Patios diese immense Größe haben, hat einen geschichtlichen Grund. 25 Reiter sollten Anno dazumal dort Platz finden müssen.
Italienische Grandezza zeigt sich bis heute am Rathaus aus dem 17. Jahrhundert und dem Casa Berger. Spanische Grandezza ist mir lieber. Palma hat sie bis heute liebevoll mit seinen architektonischen Sehenswürdigkeiten bewahrt.
Andrea Richter
Verfasst von Andrea Richter am 07.04.2010