Die Innere Uhr

Eine ganze Wissenschaft beschäftigt sich mit der so genannten Inneren Uhr, die die Menschen unterschiedlich intensiv wahrnehmen. Die Fachrichtung nennt sich Chronobiologie. In dem Begriff stecken die Wörter Chronos (griechisch für Zeit) und Biologie (Lehre von der belebten Natur). Diese Wissenschaft beobachtet und beschreibt zeitliche Abläufe in der Physiologie und den Verhaltensweisen von Organismen unterschiedlichster Art – seien es nun Tiere, Pflanzen, Menschen oder Mikroorganismen. Die Organisation zeitlicher Prozesse wie etwa rhythmische Bewegungen stehen dabei ebenso im Vordergrund wie die Erforschung der biologischen Taktgeber. Ferner widmen sich die Chronobiologen der Frage, welche äußere Zeitabläufe in welcher Form auf die Innere Uhr von Organismen wirken.
Wie wichtig diese zeitliche Organisation ist, kann anhand vieler Beispiele verdeutlicht werden.
Komplexe Vorgänge erlauben es meist nicht, dass ein Organismus die anstehenden Aufgaben gleichzeitig erledigt. Also müssen beispielsweise Organe sozusagen nacheinander geschaltet werden. Am Beispiel der Verdauung ist dies sehr gut nachvollziehbar. Für solche Abläufe müssen ggf. auch andere Bewegungen eingeschränkt werden. Energie wird dann beispielsweise von nicht beteiligten Organen abgezogen und den am Prozess beteiligten Organen zugeführt.
Ein noch einfacheres Beispiel ist die Atmung. Die Erkrankung Asthma zeigt, was passiert, wenn die eigentlichen Rhythmen durcheinander geraten.
Als technisches Vorbild mag die Computerelektronik dienen. Auch hier ist die Leistungsfähigkeit der Hardware wesentlich davon abhängig, dass die Software die Betriebsabläufe und –zustände koordiniert – und zwar deren zeitliche Reihenfolge. Der Mehrkernprozessor beispielsweise kann seine Vorteile nur ausspielen, wenn die zeitlichen Abläufe parallel gesteuerter Prozesse richtig koordiniert werden.
Die Bedeutung der Chronobiologie endet jedoch bei Weitem nicht in der biologischen Forschung. Auch die Medizin lernt daraus. So konnte etwa nachgewiesen werden, dass die Verabreichung von Medikamenten zu unterschiedlichen Tageszeiten differierende Erfolge zeigte.
Auch das Entstehen von Krankheiten wird immer häufiger im Zusammenhang mit der Störung der Inneren Uhr erforscht. Dabei geht es nicht nur um Aspekte der Arbeitsorganisation, wenn etwa belegt wird, dass Schichtdienst auf Dauer krank macht. Es geht auch um die kleinen Missachtungen der Inneren Uhr im Alltag, sei es bei der Nahrungsaufnahme, bei Lernzeiten, bei Zahnarztbesuchen usw. Dabei kommt es oft genug auf das ideale zeitliche Fenster an, wobei die Innere Uhr leider viel zu oft durch externe Uhr bestimmt und durch diese meist auch durcheinander gebracht wird.
Verfasst von Anne Schneider am 03.03.2010