Was versteht man unter Chinaschilf alias Miscanthus?
Der botanische Name für Chinaschilf lautet "Miscanthus sinensis". Es handelt sich um ein Gewächs aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Im allgemeinen Sprachgebrauch wird diese Schilfart als „Elefantengras“ bezeichnet. Da der Begriff jedoch auch für afrikanisches Napiergras der Gattung Pennisetum verwendet wird, sowie für Ravennagras aus Südasien, kann diese Bezeichnung zu Missverständnissen führen. Chinaschilf wächst sehr schnell und erreicht Höhen bis zu zwei Metern. Denn wie Mais und Zuckerrohr gehört Miscanthus zu den sogenannten C4-Pflanzen, deren intensive Photosynthese große Biomasseproduktion gewährleistet.
Rund vier Meter hoch werden die Halme von „Miscanthus gianteus“. Der Beiname deutet schon an, dass es sich dabei um Riesen-Chinaschilf handelt. Diese Unterart entstand in Japan durch natürliche Kreuzung der Wildform mit "Miscanthus sacchariflorus". Um 1935 gelangte Riesen-Chinaschilf nach Europa, wo es zunächst als Zierpflanze Verbreitung fand. Unter optimalen Bedingungen ist die Erzeugung von Biomasse fast doppelt so groß, wie bei den Ursprungsarten.
Nach der ersten Energiekrise suchte man in den 1980er Jahre nach Wegen, unabhängig vom Erdöl zu werden. In Deutschland wurde Chinaschilf durch den Journalisten Franz Alt populär, der sein Buch zum Thema „Schilfgras statt Atom“ nannte. In den Ursprungsländern kann man Chinagras in Dauerkulturen 15-20 Jahre lang bewirtschaften. Die deutschen Winter brachten jedoch Probleme beim Anbau, da die Pflanzen in den ersten Jahren relativ empfindlich sind. Nachdem die Startschwierigkeiten überwunden wurden, dient „Miscanthus gianteus“ auch in unseren Breiten zur Energieerzeugung aus Biomasse. Zudem werden die Fasern direkt verwertet als Ausgangsmaterial für Tiereinstreu, Dämmstoffe und Beimengung zur Herstellung von Leichtbetonsteinen. In Zeiten des Klimawandels dürfte Chinaschilf alias Miscanthus als nachwachsender Rohstoff künftig wohl noch an Bedeutung gewinnen.
Verfasst von Klaus-Martin Meyer am 05.08.2010